Tja, wenn einem der Lesestoff ausgeht und die Kopfhörer zeitgleich streiken bleibt einem nichts anderes übrig als im Bus gezwungenermaßen Gesprächsfetzen zu erhaschen. So erging es mir heute morgen - Memo an mich selbst, gleich neues Buch kaufen.
Ich hörte zwei Frauen an ihren gerade in den Bus gequetschen Kinderwagen plaudern über den Sinn ihres Lebens. Gefallen sind so wunderbare Sätze wie: "Erst das Kind hat meinem Leben einen Sinn gegeben" "Die Kinder machen das Leben erst Lebenswert" Tja, ist ja nicht das erste Mal dass mir diese Sätze förmlich in den Gehörgang kriechen und mich dazu bewegen dass ich mich doch glatt fragen muss - Gibt es ein Mutter Gen, wie sieht es aus und ist meines verkümmert?
Ich stelle mir das Muttergen als rosapinkglitzernde Herzchenspirale vor, die strahlend und funkelnd alles andere umwindet. Ok, ich gebe zu, das klingt verdammt kitschig, ist aber auch genauso beabsichtigt. Mein Muttergen ist dann wahrscheinlich so ein vertrocknetes, verkümmertes und verdorrtes Etwas dass nur noch ein bisschen glitzert und mehr dezent beleuchtet als Überstrahlt. Ganz ehrlich, welchen Sinn hatte das Leben besagter Frauen denn vorher, wenn erst das Kind dem Leben seinen Sinn gegeben hat, was haben sie vorher gemacht. Vegetierten sie so sinnlos vor sich hin, suhlten sie sich in Selbstmitleid und waren erfüllt von Suizidgedanken? Natürlich ist meine Sicht der Dinge nicht die ultimative, aber ganz ehrlich - mein Leben hatte auch vorm Nachwuchs einen Sinn und war mindestens genauso lebenswert. Ja, ich sage sogar von mir selbst dass ich gar nichts mit kleinen Kindern anfangen kann - und das ist nur eine realistische und ehrliche Einschätzung. Leider wäre es auch etwas anstrengend gut 6 Jahre lang schwanger durch die Gegend zu laufen um Kinder im passenden Alter zu gebären, da komme ich um das "kleine Kind" eben nicht herum. Fehlt mir nun also dieses Mutter-Gen dass mich die Kinderwelt rosarot sehen lässt, wie konnte ich dann überhaupt Kinder bekommen? Da fällt mir immer die Serie Caillou ein, Caillou schmiert die ganze Küche mit Honig und Essen voll und seine Mami kommt rein und sagt nur "Das räumen wir gleich zusammen auf". Würde ich das mit einem Muttergen genauso entspannt sehen? Würden meine Kinder dann auch einfach sagen "Ja Mami, machen wir" ... und nicht "Nein, ich will das aber nicht, das kannst du aufräumen" gefolgt von der der "ich war das gar nicht" Diskussion bis hin zu "Geschwisterkin ist pauschal schuldig" Anmerkung. Mit den passenden rosaglitzerherzchengenpool wäre ich dann vielleicht auch so entspannt und würde nicht in besagter Situation erstmal alle Tonlagen ausprobieren, die meine Stimme so hinbekommt. Ich glaube nächstes Mal frage ich die Damen aus dem Bus, ob man diese Sichtweise irgendwo auch käuflich erwerben kann und ob es das passende Kind gleich mit dazu gibt. Mal ehrlich, mein Sinn des Lebens auf zwei Beinen ist gleichzeitig mein Weg in den Wahnsinn. Aber ich muss zugeben, wenn mein Leben auch vorher schon einen Sinn hatte und lebenswert war, es gibt Momente die sind selbstredend besser als alles davor erlebte.
Ich sags dir nich gern, aber es gibt tatsächlich Menschen, die sich ausschließlich übers Mutter sein identifizieren. Haben vielleicht in der Schule/im Beruf nicht viel erreicht, aber Mutter sein, das scheint heutzutage immer noch etwas 'wert'.
AntwortenLöschenCaillou, Laura's Stern, SpongeBob... alles Kinderruhighaltfernsehn. Da hockt man die Kleinen vor und schon ist Ruhe. Und was haben wir Mama's denn lieber als unsere Ruhe?
Lass dich mal von solchen Aussagen nicht runterziehen, wer weiss was die DAme schon so alles in ihrem Leben erlebt hat, was das arme Kind nu ausbaden muss. Außerdem sind das Floskeln, die meist vor ein ganz verzweifeltes 'helft mir doch!' gesetzt werden.
Ich liebe meine Mädels auch abgöttisch. Aber mein Leben fand ich vorher auch toll und werd es sicher noch lange toll finden - nur nicht mehr wenn sie nach Amerika auswandern wollen ;-)
Grüß dich lieb!
A.