Komm herein

Das Leben ist kunterschwarz und dunkelbunt... und mittendrin befinde ich mich. Des Alltags Wahnsinn oder der wahnsinnige Alltag, wer weiß schon so genau was zutreffend ist. Geschichten die das Leben so schreibt halten immer wieder Überraschungen bereit...
Hier herrscht, Chaos in Perfektion - Geschichten aus des Alltags Wahnsinn.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Ist denn heut schon wieder Montag

"Hallo Mama, meine Füße jucken", das war der erste Satz den ich zur Begrüßung entgegen geschmettert bekam. Ich liebe zwar Pünktchen aber auf den Füßen von Nachwuchs Nr.1 fand ich sie nun nicht gerade liebenswert. Hach, und da waren noch mehr von variabler Größe und Farbintensität. Mein erster Gedanke: Scheiße, hoffentlich hat Nr.2 sich nicht angesteckt, der zweite Gedanke: "Die verschwinden bestimmt über Nacht". Das war gestern.

Heute:
Mrs.xx erfreut sich bester Gesundheit, erinnert mich allerdings optisch ein wenig an einen Fliegenpilz mit Farbstörung, rote Flecken auf weißem Grund. Prima, das bedeutet - Arztbesuch, da kommt natürlich Freude auf. Erstmal also den Verbleib von Mr.xy klären, das entspannt den Vorgang Arztbesuch etwas. Xys Verbleib ist gesichert und die Kontaktaufnahme mit dem Arzt bringt den Blutdruck in Wallung. Entweder alle anziehen und einpacken in 15 minuten oder im Falle einer harmlosen Diagnose zu spät zur Arbeit. Ich wähle das vermeindlich kleinere Übel, was hat mir nur das Hirn so vernebelt dass ich vom kleineren Übel ausging. Erstmal anziehen in 15 minuten, wo geht denn sowas? "Nein, ich nicht anziehn." Dumm dass es mir bei der Wahl nichts bringt das kleinere Übel gewählt zu haben, es ist zu früh, alle Kinder müssen mit, und alle Kinder müssen sich anziehen. Gut ist, Nummer 1 ist ausnahmsweise zickenfrei fertig angezogen, schlecht ist - Nummer 2 geht in Wickelstreik wie jeden Tag. "Aber du willst doch mit Taxi fahren" die ersten Versuche fallen noch lieblichst lockend aus "ich auch taxi fahrn, ich mit." Nichts neues, das hat Mr.xy inzwischen im sekundentakt angekündigt. "Dann musst du auch was anziehen, sonst kannst du nicht mit Taxi fahren, komm her" "Nein". Man sollte wissen, bitte vermittle den Widerstand in kurzen, prägnanten Sätzen und komm gleich auf den Punkt. Ein Blick auf die Uhr sagt allerdings dass die Zeit für lieblichstens locken vorbei ist, ich zähle an "eins... zwei..." und schwupps hockt Nummer zwei da wo er hin soll. "Mama ruft gleich das Taxi, dann fahren wir los" Ich erwische mich immer wieder dabei wie ich in der dritten Person von mir rede und Mama hasst es. Befreit von der Windel, die Freiheit am Popo wird erst mal geschaut ob alles da ist, wo es hin gehört - scheint beim männlichen Geschlecht schon verdammt früh ausgeprägt zu sein. Letztendlich kann ich den Minimann aber in eine saubere Windel und ein paar Klamotten schälen, ist auch höchste Eisenbahn. Mit Schweißperlen auf der Stirn ordere ich das Taxi. Taxi - tja, das Ergebnis einer öko-freundlichen Fahrweise und dem ausgeprängte Denkfehler von -ich brauche keinen Führerschein, mit Bus und Bahn komme ich gut voran. Das war bevor ich Kinder hatte. Heute könnte ich mich dafür in den Arsch beißen dass ich den Mist jetzt machen muss, wenn die Zeit eh schon gefühlt immer für alles fehlt. Doch ich schweife ab. 

Das Taxi schlägt auf, verspätet wie ich anmerken muss, ich schnappe mir meinen Kram und wuchte den sperrigen Sitz für Nummer 2 raus. Ich sehe schon beinah die Pfützen unter mir, der Zeitdruck lässt die Schweißdrüsen zur Hochform auflaufen und öffnet die Poren. Aber egal, erst mal los, insgeheim rechne ich ohnehin mit dem Schlimmsten, Füße ab oder aber weniger dramatisch Windpocken, Röteln... irgendwie sowas. Kaum angekommen geht's schon los mit dem Verteilen des Spielzeugs in nahezu jeder Ecke des Wartezimmers, peinliche Momente wenn ich sehe wie Nummer eins und Nummer zwei mal pauschal alles begutachten und für uninteressant befinden, leider interessant genug um das Thema - Aufräumen - nicht ansatzweise hören zu wollen. Mein Zeitvertreib im Wartezimmer - ich räume auf, die Kinder räumen aus. Eigentlich könnte ich mich da richtig wohl fühlen, ist doch genau wie zu Hause. Nach nicht ganz 10 Minuten ist es soweit. Bis dahin liegen Stress und Chaos in Reinform in 30 Minuten gepresst hinter mir (gereicht hätte das für sicher zwei Stunden). Fünf Minuten dauert die Begutachtung, FÜNF oder als Zahl 5 dann ist bestätigt dass die Füße zumindest dran bleiben dürfen und auch dem Kindergarten nichts im Wege steht. Nichts ansteckendes und auch nichts dramatisches, eine Reaktion auf Gott weiß was, Erkältung, Infekt unbekannter Art oder auf Mich? 
Also heißt es die Alarmstufe rot zu beenden und ab mit dem Kind in den Kindergarten. Wir spielen das Spiel - Warten aufs Taxi. Zumindest spiele ich das Spiel. Mr.xy spielt das Spiel - Reaktionstest und will fleissig Treppen rauf und runter Stiefeln und stellt die Ohren auf Durchzug. Das ausgiebige Lüften des Gehirns ist sicher nur von Vorteil für die graue Masse aber von Nachteil für den, der sich mit "Nein, nicht nach oben - Nein, nicht nach unten - Wir müssen gleich los, hierbleiben bitte" vergnügt. Aber ein Ende ist ja in Sicht, oh halt, irgendwas war da noch. Verdammt, Kindergarten=Essen, Essen=zu Hause und nicht dabei. Dann wird der Schlenker zum Bäcker eingeplant und schon hagelt es Essenswünsche. Am Ende hält Madame überglücklich zwei Semmel in der Hand und ich gebe mich geschlagen sie von etwas anderem überzeugen zu wollen, jede Minute die das Taxi rumsteht ist schließlich kostbar. Nach unserer kleinen Rundreise, erfolgreichem export von Nummer 1 in den Kindergarten und vorwarnung vorm Fliegenpilzmuster samt irgendwie Erklärung der Tatsache dass alles harmlos ist ... geht es nach Hause. Von dem was ich ins Taxi investiere hätte ich locker ein Eis essen oder zur Arbeit fahren können. Schnellen Schrittes liefere ich auch Nummer 2 ab und erwäge nochmal duschen zu gehen. Die Idee verwerfe ich und ersetze sie durch etwas angenehmes, Kaffee trinken ... bevor es los geht. Hätte ich mal mein Shampoo eingepackt, der Weg zum Bus war feuchtfröhlich. Außerdem der Bus wie immer zu spät und auch der restliche Tag - ich fasse mich nun endlich mal kurz - verläuft irgendwie Scheiße. Ist denn heute schon wieder Montag? Ich hasse Mittwoch und gönne mir auf den Frust erst mal 10 Punkte fürs Essen. Mit diesen Worten - Es kann nur besser werden, mein Fazit des Tages, mal sehen ob sich das bewahrheitet. Wenn ein Tag schon so anfängt...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen